Seine Filme sind voller Melancholie, Verzweiflung und Leidenschaft, Absurdität und tiefer Wahrheit – Woody Allen gilt als einer der bedeutendsten Regisseure unserer Zeit. In seinen Filmen steht stets der Mensch mit all seinen Facetten im Mittelpunkt. Spielt er selbst mit, stellt er häufig den Versager, Tollpatsch, den Intellektuellen mit dicker Brille, der eigentlich den Zumutungen des Großstadtdschungels nicht gerecht wird, dar. Er hat keine Hemmungen, all seine Neurosen und Schwächen nach außen zu tragen und jeder Kinobesucher findet ein Stück von sich selbst in dem genialen Filmemacher wieder
Woody Allen wird am 1. Dezember 1935 in Brooklyn, New York als Allen Stewart Konigsberg geboren. Er wächst als Sohn jüdischer Eltern in der Lower East Side von Manhattan auf – der Vater Martin Konigsberg ist Diamantschleifer. Die Familie lebt im jüdisch geprägten Viertel Flatbush, die Großeltern sind deutschsprachige Immigranten. Obwohl die Eltern keine orthodoxen Juden sind, schicken sie ihren Sohn acht Jahre lang auf eine hebräische Schule. Danach absolviert Woody Allen die “Public School 99″ und die “Midwood High School”, wo “Red” – so der Spitzname des Rotschopfs – zum ersten Mal durch sein außergewöhnliches Talent für Kartenspiele auf sich aufmerksam macht.
Schon früh entwickelt Woody Allen ein Interesse für das Theater, vor allem aber für das Kino und die Radioshows der damaligen Zeit. Auch spielt er täglich bis zu zwei Stunden Klarinette. Um sein Taschengeld etwas aufzubessern, beginnt er Gags für große Tageszeitungen zu schreiben, beschließt fortan den Künstlernamen “Woody Allen” zu tragen und belegt seinen Eltern zuliebe einen “Communications Arts Course” an der “New York University”. Ein prägendes Ereignis seiner Studienzeit ist vermutlich der Rat seines Dekans, einen Psychoanalytiker aufzusuchen. Woody Allen, der sich in seiner Kindheit und Jugend hauptsächlich mit Baseball und Comic-Strips beschäftigt, nimmt nebenbei Privatstunden, um kulturelle Defizite aufzuholen. Bald darauf heiratet er die sechzehnjährige Philosophiestudentin Harlene Rosen. Beide ziehen nach Manhattan und Woody Allen steigt vom Gag-Zulieferer zum Drehbuchautor auf – 1957 wird er für einen “Emmy” nominiert. Während seine Ehe in die Brüche geht, beginnt Woody Allen Theaterstücke zu schreiben und sein Ziel zu verfolgen, Stand-up-Comedian zu werden. Sein erster Auftritt 1960 im Greenwicher Nachtclub “Duplex” gerät jedoch zum Fiasko – seine Manager halten ihn für den schlechtesten Komiker aller Zeiten. Aber schon bald entwickelt sich aus dem linkischen und schüchternen Auftreten ein unverwechselbarer Stil, der Woody Allen über Nacht zum Geheimtipp avancieren lässt.
Die erste Filmproduktion von Woody Allen ist “What’s New, Pussycat?” (“Was gibt’s Neues, Pussy?”, 1965) mit Peter Sellers, Peter O’Toole, Romy Schneider und Ursula Andress. Weitere Komödien wie “Bananas” (1970), “Play it Again, Sam” (“Mach’s nochmal Sam”, 1971) oder “Everything You Always Wanted To Know About Sex, But Were Afraid To Ask” (“Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten”, 1973) folgen. Woody Allen möchte aber nicht für den Rest seines Lebens auf die Rolle des Tolpatsches und Filmclowns festgelegt werden – schon zu Zeiten von “Love And Death” (“Die letzte Nacht des Boris Gruschenko”, 1975) bekommen seine bisher recht belanglosen Klamaukfilme einen dunkleren Unterton. Die erste ernsthafte Rolle spielt er dann 1976 in “The Front” (“Der Strohmann”). Im selben Jahr beginnen die Dreharbeiten zu “Annie Hall” (“Der Stadtneurotiker”), der in jeder Beziehung einen Bruch zu seinen bisherigen Filmen darstellt. 1978 stellt Woody Allen seinen ersten ernsthaften Film “Innenleben” vor. In der Hommage an Ingmar Bergmann wird der Zerfall einer bürgerlichen Großfamilie beschrieben. “Manhattan” mit Diane Keaton von 1979 beinhaltet wieder stärker komödiantische Elemente und der letzte Teil der sogenannten “New-York-Trilogie” – “Stardust Memories” – orientiert sich stark an Federico Fellini.
Die Stadt ist Woody Allens Lebensraum und nur da fühlt er sich wohl. Bis auf wenige Ausnahmen spielen sämtliche Filme des Regisseurs in urbanen Lebenswelten, und die Stadt aller Städte ist New York, genauer gesagt Manhatten. Woody Allen braucht den Großstadtdschungel sowohl für sich selbst, als auch für seine Filme. Die großen Probleme der Großstadt – wie Müll, Drogen, Gewalt – lässt Woody Allen dabei außer acht, stattdessen beobachtet er mit tiefgründigem Humor die kleinen Frustrationen des Alltags, die individuellen Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen – eine Darstellung des Lebens an sich. In vielen seiner Filme sitzen Menschen zusammen und diskutieren über die Liebe, die Kunst, den Tod und das, was das Leben ausmacht. Auch die Suche nach Gott ist in Woody Allens Filmen anwesend, ohne dass die dargestellten Personen religiös sind. Zudem hat er auf seine späten Jahre die Liebe für die Kriminalkomödie entdeckt: “Manhatten Murder Mystery”, “Bullets Over Broadway” oder “Small Time Crooks” (“Schmalspurganoven”) beschäftigen sich mit genau diesem Thema. Auch hat Woody Allen wohl keinen Film gedreht, in dem Erotik und Sexualität nicht als Problem seiner Figuren mehr oder minder unmittelbar angesprochen werden.
Mit Beginn der achtziger Jahre entwickelt Woody Allen seine Komödien weiter, die nun zu Tragikomödien werden. Die Story wird aufwändiger, sie spielt oft in mehreren Handlungs- und Realitätsebenen. Die Filme sind aussagekräftiger und werden nicht mehr mit plumpen Gags kaschiert. Die Komödie “Hannah And Her Sisters” (“Hannah und ihre Schwestern”, 1986) mit Dianne Wiest und Mia Farrow erhält drei “Oscars”. 1987 erscheint mit “Radio Days” ein Film über die Kindheit des Regisseurs. Bei “Crimes And Misdemeanors” (“Verbrechen und andere Kleinigkeiten”, 1989) mit Martin Landau und Anjelica Huston schildert Woody Allen eine tödliche Mordintrige. Danach folgen Filme wie “Alice” (1990) mit Mia Farrow, das Gaunerstück “Manhattan Murder Mystery” (1993) mit Diane Keaton und die großartige Theaterkomödie “Bullets Over Broadway” mit Dianne Wiest. “Mighty Aphrodite” (“Geliebte Aphrodite”, 1995) mit Helena Bonham Carter und Mia Sorvino brilliert mit einem sporadisch auftretenden griechischen Chor und im Film-Musical “Everyone Says I Love You” (“Alle sagen I Love You”, 1996) mit Goldie Hawn und Drew Barrymore wird gesungen und getanzt. In der Gesellschaftssatire “Celebrity” (1998) mit Leonardo di Caprio nimmt Woody Allen dann den Starrummel aufs Korn.
2008 gibt Woody Allen mit einer Inszenierung von Giacomo Puccinis “Gianni Schicchi” sein hochgelobtes Debüt als Opernregisseur. Auch spielt er regelmässig Klarinette in einer Jazz-Band, mit welcher er auf ausgedehnte Tourneen geht.
Woody Allen dreht pro Jahr einen Film, so dass auch sein Spätwerk einen beachtlichen Umfang annimmt. 1999 erscheint “Sweet And Lowdown” mit Sean Penn, 2000 “Small Time Crooks” (“Schmalspurganoven”) mit Hugh Grant und Tracey Ullman, 2001 “The Curse Of The Jade Scorpion” (“Im Bann des Jade Skorpions”) mit Helen Hunt und 2004 “Melinda und Melinda”. Ende 2005 kommt “Match Point” mit Jonathan Rhys Meyers und Scarlett Johansson in die Kinos – Woody Allens erster Film, der ausschließlich in London spielt. Auch “Scoop – Der Knüller” mit Hugh Jackman wird in London gedreht und “Vicky Cristina Barcelona” mit Scarlett Johansson, Penélope Cruz und Javier Bardem von 2007 avanciert zur Hommage an Barcelona. 2009 erscheint “Whatever Works”, womit Woody Allen wieder in seine Heimat zurückkehrt. 2010 kommt “You Will Meet A Tall Dark Stranger” mit Antonio Banderas und Naomi Watts und 2011 “Midnight In Paris” in die Kinos, in der Liebeserklärung an die französische Hauptstadt agiert neben Kathy Bates auch Frankreichs First Lady Carla Bruni.
Seit Beginn der achtziger Jahre ist Woody Allen mit Mia Farrow liiert, die aich in etlichen seiner Filme mitspielt. Die Beziehung endet, als Woody Allen ein Verhältnis mit Mia Farrows Adoptivtochter Soon-Yi eingesteht. Die nun folgende gerichtliche Auseinandersetzung um das Sorgerecht für die übrigen Kinder stellt einen großen Bruch in seinem Leben dar. 1997 heiraten Woody Allen und Soon-Yi Previn. Die Familie lebt in New York.
Zitat: “Bisexualität verdoppelt Deine Chancen auf ein Samstagabend-Rendezvous”.