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Sie ist die „Hohepriesterin des Happenings“ und gilt nach wie vor für viele Unbelehrbare als „Spaltpilz“ der legendären „Beatles“ – doch Yoko Ono ist nicht nur eine streitbare Feministin, die sich immer wieder für Frieden und Menschenrechte einsetzt, sie gilt auch als außergewöhnliche Künstlerin und unkonventionelle Musikerin

Yoko Ono kommt am 18. Februar 1933 als erstes Kind von Eisuke und Isoko Ono in Tokio zur Welt und wird in wohlhabende Verhältnisse hineingeboren. Ihre Mutter Isoko stammt aus einer Bankiers-Familie, ihr Vater Eisuke ist ein ehemaliger Pianist, der für eine japanische Bank in San Francisco arbeitet. Mit der Mutter folgt Yoko Ono dem Vater 1935 nach Amerika – nach dem japanischen Angriff auf China kehrt die Familie in die Heimat zurück. Yoko Ono besucht die Jiyu-Gakuen-Musikschule, lernt Klavierspiel und Komposition und hat bereits als Kind erste öffentliche Auftritte. Im Zweiten Weltkrieg wird der Vater als Soldat ins von Japan besetzte vietnamesische Hanoi berufen. Der Rest der Familie flüchtet nach einem verheerenden Luftangriff auf Tokio ins bäuerliche Hinterland, wo Yoko Ono sich um die Geschwister kümmert.

Nach Kriegsende schließt Yoko Ono ihre Schulausbildung ab und beginnt ein Philosophie-Studium an der Gakushūin-Universität. Sie entscheidet sich 1952, ihrer Familie in die USA zu folgen, wo sie noch im selben Jahr in New York ihr Philosophie-, Kunst- und Komposition-Studium am Sarah Lawrence College fortsetzt. Sie studiert dort auch klassischen deutschen Liedgesang. Nach Abbruch des Studiums beginnt Yoko Ono in der Musikszene New Yorks aktiv zu werden, wo sie mit eigenen Kompositionen neben John Cage auftritt. Mit diesem unternimmt sie auch 1952 eine Tournee durch Japan.

1956 heiratet Yoko Ono gegen den Widerstand ihrer Eltern den japanischen Komponisten Toshi Ichiyanagi – das gemeinsam bewohnte Loft entwickelt sich zum Treffpunkt und zur Bühne für die avantgardistische Kunstszene New Yorks. Yoko Ono etabliert sich schnell als Konzeptkünstlerin und gilt als Wegbereiterin der amerikanischen „Fluxus-Bewegung“. 1962 trennen sich Yoko Ono und Toshi Ichiyanagi – die Künstlerin kehrt für zwei Jahre nach Japan zurück, um in Tokio Solo-Ausstellungen und Performances zu bestreiten. Noch im selben Jahr heiratet sie den amerikanischen Filmproduzenten Anthony Cox, der die junge Künstlerin finanziell und künstlerisch unterstützt – 1963 kommt die gemeinsame Tochter Kyoko Chan Cox zur Welt.

In ihrer Kunst kombiniert Yoko Ono frühzeitig die Musikdarbietung mit anderen Kunstformen. Als Action-Künstlerin und Experimental-Filmerin beeinflusst sie mit zahlreichen Happenings maßgeblich die experimentelle Kunstszene der sechziger Jahre. So trägt sie 1966 mit dem Film „Bottoms“, der 365 nackte Hintern zur Schau stellt, zum Protest gegen den Vietnam-Krieg bei. Zu ihren markantesten genreübergreifenden Konzeptarbeiten zählen „Wall Piece For Orchestra“ und „Cut Piece“. Beim „Riding Piece“ von 1962 steht ein Leichenwagen bereit, um (Todes-)Mutige fünfzehn Minuten lang durch die Gegend zu fahren. 1972 und 1987 ist Yoko Ono Teilnehmerin der Documenta in Kassel.

1969 heiraten Yoko Ono und John Lennon – den die Künstlerin 1966 auf einer Londoner Ausstellung kennenlernt – in Gibraltar. Ihr Aufeinandertreffen wird als Liebe auf den ersten Blick beschrieben, beide streben umgehend eine rasche Scheidung von ihren bisherigen Partnern an. Die dann folgende gemeinsame Honeymoon-Performance wird zur Legende – das Paar mietet sich im Amsterdamer Hilton-Hotel ein, bleibt dort für eine Woche im Bett liegen und lädt die Presse ein, um im Pyjama Statements über den Frieden abzugeben. Beim zweiten „Bed-in“ in Montreal geben sie mehr als sechzig Interviews und John Lennon komponiert die Hymne jener friedensbewegten Jahre – „Give Peace A Chance“. Sie formieren die „Plastic Ono Band“ – der zeitweilig auch Eric Clapton und Klaus Voormann angehören – musikalisch eine Mischung aus Rockmusik und experimentellen Klängen, wobei Yoko Onos markanter Gesang sehr prägend ist. Kritiker sagen, Yoko Ono singe wie ein „gequälter Hamster“ – in rascher Folge entstehen mehrere Alben, welche viele „Beatles“-Fans aufs Tiefste verschrecken.

1975 kommt Yoko Onos und John Lennons Sohn Sean Taro Ono zur Welt und John Lennon zieht sich nach dem Zerfall der „Beatles“ aus der Musikbranche zurück – nach Ansicht von Beobachtern dämpft das gemeinsame Kind die künstlerische Kreativität der Eheleute. Während John Lennon sich vorwiegend um den Haushalt kümmert, übernimmt Yoko Ono das Management des Sängers, das mangels neuer Veröffentlichungen überwiegend die Rechte an alten Liedern verwaltet. Ein letztes Comeback hat John Lennon 1980 mit dem Album „Double Fantasy“, bevor er noch im selben Jahr einem Attentat zum Opfer fällt. Yoko Ono zieht sich daraufhin für längere Zeit aus der Öffentlichkeit zurück und widmet sich nach dem Tod ihres Mannes der Pflege seines Werks.

In den späten achtziger Jahren erfolgen Neuinterpretationen früherer Konzeptkunst-Ideen, 1990 die Ausstellung „In Facing“ in den „Riverside Studios“ in London 1992 veröffentlicht Yoko Ono eine umfassende „Onobox“. 1997 zeigt das Museum Of Modern Art in Oxford die Retrospektive „Have You Seen The Horizon Lately?“ und 2002 zeigt die „Japan Society Gallery“ die amerikanische Retrospektive von Yoko Onos Gesamtwerk in New York. 2005 ist Yoko Ono mit einer multimedialen Show Headliner auf dem „Arthurfest“ in Los Angeles und 2006 wirkt sie bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Turin mit – dort verliest sie eine Friedensbotschaft vor der Weltöffentlichkeit.

2003 erscheinen Remixe von Yoko Onos Stück „Walking On Thin Ice“ und 2004 führt die Künstlerin die US-Charts mit „Every Man Has A Man Who Loves Him“ an, in dem sie sich für die Gleichberechtigung Homosexueller einsetzt. Im Kontrast zu Yoko Onos Engagement für die Menschlichkeit steht ihre unnachgiebige Haltung in der Frage nach der Freilassung von John Lennons Mörder Mark David Chapman. Nachdem dieser seine zwanzigjährige Haftstrafe verbüßt, fordert Yoko Ono seit 2000 regelmäßig die Verantwortlichen auf, den Attentäter niemals zu entlassen, weil sie sich selbst gefährdet sieht und der Täter kein normales Leben verdient habe. Zuletzt wird 2008 auf ihr Betreiben ein Entlassungsgesuch Chapmans abgelehnt.

Als Witwe John Lennons hat Yoko Ono einen schweren Stand in der Musikszene, da ihr jahrzehntelang die Schuld an der Auflösung der „Beatles“ und Bereicherung am Ruf und Vermögen ihres verstorbenen Mannes vorgeworfen wird. Obwohl die „Beatles“-Historie mittlerweile ausgeleuchtet und längst klar ist, dass sich die Pilzköpfe gewiss auch ohne Yoko Ono getrennt hätten, bleibt die Künstlerin lange das Feindbild vieler „Beatles“-Fans. 1995 kommt es durch die gemeinsame Aufnahme „Der Himmel über Hiroshima ist immer blau“ zu einer Aussöhnung zwischen Yoko Ono und dem ehemaligen „Beatles“-Mitglied Paul McCartney. Nachdem 2003 noch unveröffentlichtes Tonmaterial der legendären Gruppe gefunden wird, treten die ehemaligen Mitglieder der Band Paul McCartney und Ringo Starr, Yoko Ono und die Erben von George Harrison in Verhandlungen über eine mögliche Veröffentlichung der Aufnahmen. Wenn ihr auch der große Publikumserfolg verwehrt bleibt, erhält Yoko Ono doch am Ende ihrer Karriere die fällige Anerkennung – 2009 erscheint nach längerer Pause das Album „Between The Sky And My Head“.

Yoko Ono ist heute eine Ikone der Popgeschichte, die von zahlreichen Bands thematisiert wird. Die Ärzte benennen ein Lied „Yoko Ono“, Rocko Schamoni textet „Ich glaube nicht, dass ich mit Yoko Ono zusammenleben könnte“. Die Hamburger Gruppe „Tomte“ singt das Lennon-Stück „Oh Yoko“ um die Aktion „Make Some Noise“ von Amnesty International zu unterstützen. Ferner erscheinen Coverversionen ihrer Lieder von Interpreten wie Elvis Costello, Roberta Flack, Harry Nilsson, „Trio“, Rosanne Cash, Eddie Money, „Cranes“ und anderen.

Yoko Ono lebt im Dakota Building in New York – dem Haus, vor dem John Lennon 1980 ermordet wird.

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