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Jean Cocteau

Er gilt als Universaltalent und ist einer der führenden Surrealisten des zwanzigsten Jahrhunderts – Jean Cocteau trägt wesentlich zur Entwicklung der französischen Kultur bei, auf den Gebieten der Literatur, des Theaters, der Malerei und des Films bringt er eine pessimistische Weltsicht zum Ausdruck, die bis heute berührt und zahlreiche Künstler nachhaltig beeinflusst

Jean Cocteau kommt am 5. Juli 1889 in Maisons-Laffitte in der Nähe von Paris zur Welt und wächst zusammen mit seinem jüngeren Bruder Jean Luc in einer kunstliebenden Familie auf. Als er zehn Jahre alt ist nimmt sich sein Vater – ein erfolgreicher Anwalt – das Leben. 1899 zieht die Mutter mit ihren Söhnen nach Paris, wo Jean Cocteau bereits als Teenager die Literatursalons der Hauptstadt frequentiert und den Weg in die Schriftstellerei einschlägt – mit neunzehn Jahren erscheint sein erster Gedichtband „Lampe d’Aladin“.

1917 schreibt Jean Cocteau das Libretto für das kubistische Ballett „Parade“ – das Bühnenbild und die Kostüme werden von seinem Freund Pablo Picasso entworfen und die Musik komponiert Erik Satie. Auch Jean Cocteaus zeichnerisches Talent kommt früh zum Vorschein – erste Karikaturen erscheinen in „Le Témoin“ und in „Comœdia“.

1919 veröffentlicht Jean Cocteau den Gedichtband „Le Cap de Bonne-Espérance“, im selben Jahr lernt er den Schriftsteller Raymond Radiguet kennen, der seine erste große Liebe und sein geistiger Mentor wird. Unter dessen Einfluss entsteht Jean Cocteaus Hauptroman „Thomas l’imposteur“ (1923). Als sein Partner 1923 stirbt, fällt Jean Cocteau in eine tiefe Depression, die er mit Opium bekämpft. Viele Jahre seines Lebens ist er opiumabhängig und unterzieht sich deswegen mehreren Entziehungskuren.

1930 dreht Jean Cocteau seinen ersten Film „Le Sang d’un poète“ („Das Blut eines Dichters“) – er selbst bezeichnet den Film als „realistischen Dokumentarfilm über unwirkliche Ereignisse“. In surrealistischen Bildern beschwört er darin die Visionen eines Dichters herauf, der sich als Opfer seiner Berufung fühlt und dessen Tod schließlich von seinem Publikum beklatscht wird.

Danach wirkt Jean Cocteau, der selber sagt “Ich bin kein Filmemacher, sondern ein Dichter, der die Kamera als Vehikel benutzt, das es allen ermöglicht, gemeinsam ein und denselben Traum zu träumen“, als Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler bei diversen Filmen mit. Unter anderem bei „Der Zauberlehrling“ (1933), „La belle et la bête“ („Es war einmal“, 1946), „L’aigle à deux têtes“ („Der Doppeladler“, 1948), „Les parents terribles“ („Die schrecklichen Eltern“, 1948) und „Orphée“ (Orpheus“, 1949).

1947 erscheint mit dem Erzählband „La Difficulté d’être“ das literarische Meisterwerk von Jean Cocteau.

Ab 1950 wendet sich Jean Cocteau vermehrt der bildenden Kunst zu, er entdeckt die Wandmalerei, stellt Ölgemälde, Pastelle und Keramiken her und entwirft Kirchenfenster und Tapisserien. 1955 wird er in die Königlich-Belgische Akademie für französische Sprache und Literatur sowie in die Académie Française aufgenommen und 1956 verleiht ihm die Universität Oxford die Ehrendoktorwürde.

Als offen lebender Bisexueller hat Jean Cocteau neben Beziehungen zu Männern – unter anderem mit dem französischen Schauspieler Jean Marais, den er als seine Muse ansieht – auch mehrere Beziehungen mit Frauen, darunter mit der russischen Prinzessin Natalia Pawlowna Paley. Er veröffentlicht mehrere Werke, in denen er Homophobie scharf kritisiert.

Ab 1953 beginnt sich Jean Cocteau aufgrund gesundheitlicher Schwierigkeiten zurückzuziehen, 1954 erleidet er einen ersten Herzinfarkt. Als er 1963 eine Radiosendung über Edith Piaf vorbereitet und von ihrem Tod hört, sagt er: „Ah, la Piaf est morte, je peux mourir“. Nur wenig später stirbt er am 11. Oktober 1963 in Milly-la-Forêt in der Nähe von Paris an den Folgen eines weiteren Herzinfarktes – er wird in der Chapelle St. Blaise in Milly-la-Forêt beigesetzt. Zur Trauerfeier wird in der Kapelle sein vom deutschen Bildhauer Arno Breker – mit dem er bis zu seinem Tod eng befreundet ist – geschaffenes Bronze-Bildnis aufgestellt.

Jean Cocteau, dessen wohl berühmtestes Zitat „Gute Erziehung besteht darin, zu verbergen, wie sehr man sich selbst schätzt und wie wenig die anderen“ ist, ist stets von seiner eigenen Genialität überzeugt. Er ist Dichter und Maler, Musiker, Choreograph und Schauspieler, er schreibt Romane und Gedichte, arbeitet an Balletts, malt und dreht Filme und schließt sich als Feind jeglicher Etikettierung Zeit seines Lebens nie einer bestimmten Richtung an, auch heutige Kunsthistoriker haben Schwierigkeiten ihn einzuordnen. Mit seinem eigenen figürlichen Stil tritt er häufig in Kombination mit spielerischen Dekorationsmotiven auf und stellt mit wenigen Strichen Vielschichtiges und Hintergründiges dar. Seine Zeichnungen wirken leichthändig, aber nicht hastig oder flüchtig – die Zeichnung, so Jean Cocteau, soll „kein Köder fürs Auge, wohl aber für den Geist sein“. Eines der zentralen Motive des künstlerischen Schaffens von Jean Cocteau ist die Weisheit der Mythen – die Schlichtheit, mit der sie das Wesentliche des menschlichen Seins erfassen, faszinieren ihn immer wieder. Jean Cocteaus Werk, sein Wandern zwischen den Stilen und künstlerischen Disziplinen ist sicher auch Spiegelbild seines Lebens, das – eingespannt ins gesellschaftliche Getriebe und verstrickt in zwischenmenschliche Beziehungen – nur selten zur Ruhe kommt.

1964 werden einige von Jean Cocteaus Arbeiten posthum auf der „Documenta“ in Kassel gezeigt.

In seinem Testament veranlasst Jean Cocteau, dass die Herausgabe seines Tagebuchs erst nach seinem Tod erfolgen soll – es erscheint 1989 zu seinem hundertsten Geburtstag unter dem Titel „Le passé defini“.

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