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Irm Hermann

Sie spielt bildungsbeflissene und verknöcherte Studienrätinnen, Sekretärinnen oder mürrische Gattinnen – stets Frauenfiguren, die Menschlichkeit ausstrahlen. Irm Hermann zählt zu den originellsten und eigenwilligsten Stars, die man auf deutschen Leinwänden zu sehen bekommt – größere Popularität erlangt die vielseitige Schauspielerin durch komische Rollen in Spielfilmen von Gerhard Polt, Loriot und Hape Kerkeling

Irmgard Hermann wird am 4. Oktober 1942 als Tochter von Karl Hermann und seiner Ehefrau Maria geboren. Nach dem Besuch der Volksschule macht sie eine Lehre als Verlagskauffrau um danach als Sekretärin beim ADAC zu arbeiten.

Bei einem Dramatikerwettbewerb lernt Irm Hermann 1966 den Regisseur Rainer Werner Fassbinder kennen. Nach einem Gespräch bietet ihr der Regisseur eine Rolle in seinem zweiten Kurzfilm „Das kleine Chaos“ an. Irm Herrman gehört mit Rainer Werner Fassbinder und Hanna Schygulla zu den Gründern das späteren „Antitheaters“. Schnell wird die Schauspielerin eine der engsten Vertrauten des Regisseurs und fängt an die ambitionierte Schauspiel-Gruppe zu managen. Die Hassliebe zwischen Irm Herrman und Rainer Werner Fassbinder ist legendär. Der Regisseur besetzt sie meistens in kleinen Nebenrollen, oftmals ganz ohne Text. Meistens verkörpert sie die Rolle der unterwürfigen Ehefrau oder Bediensteten, die nur in sehr kleinen Auftritten zur Geltung kommen darf. So kann man Irm Hermann in „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ (1982) neben Margit Carstensen und in „Angst essen Seele auf“ (1973) mit Brigitte Mira sehen.

„Die Entscheidung war für mich schon sehr schwierig“ erzählt Irm Hermann, „entweder ihn als Mann und die kleinen Rollen, um dabei zu sein, oder die Trennung und woanders mehr erhoffen. Er hat mir überhaupt keine Möglichkeit gegeben, irgendeine Rolle zu spielen, wo ich ein Fitzelchen Menschlichkeit zeigen konnte“. In „Händler der vier Jahreszeiten“ (1971) darf sie ausnahmsweise die Hauptrolle spielen und wird für ihre Darstellung der Irmgard Epp mit dem „Bundesfilmpreis“ belohnt.

Erst 1975 emanzipiert sich Irm Herrman von Rainer Werner Fassbinder und geht nach Berlin, um dort unter der Regie von Percy Adlon, Werner Herzog und Hans W. Geißendörfer zu arbeiten. Lediglich Anfang der achtziger Jahre steht sie noch einmal für Fassbinder vor der Kamera und übernimmt die Rolle der Trude im TV-Mehrteiler „Berlin Alexanderplatz“. Nebenbei ist die Schauspielerin oft auf der Bühne zu sehen, so an der Freien Volksbühne in Berlin und am Berliner Ensemble. Auch spielt sie am Schauspielhaus Zürich unter der Regie von Christoph Schlingensief in „Hamlet“ (2001).

Die Kino-Filme, in denen Irm Hermann im Lauf ihrer Karriere mitwirkt, lassen sich nicht alle aufzählen. In Hans W. Geißendörfers „Woyzeck“ (1979) spielt Irm Hermann die Rolle der Margret, das Fräulein Engelhart im TV-Mehrteiler „Der Zauberberg“ (1982) oder die Mitgefangene Else Gebel in Percy Adlons „Fünf letzte Tage“ (1982) – für diese Leistung erhält Irm Hermann erneut den „Bundesfilmpreis“. 1984 sieht man sie als Sabina Angerwolf im Melodram „Ediths Tagebuch“. Loriot besetzt sie als Tante Hedwig in seinem Kult-Film „Pappa ante Portas“ (1991) und in Hape Kerkelings Königshaus-Klamotte „Willi und die Windzors“ (1996) spielt Irm Herrman Königin Elizabeth II. Unter Christoph Schlingensief kann man sie in „Das deutsche Kettensägenmassaker“ (1990) und in „Die 120 Tage von Bottrop“ (1997) sehen.

Zu ihren jüngeren Produktionen zählt „Paradiso – Sieben Tage mit sieben Frauen“ (1999) – Irm Hermann wird für ihre Darstellung auf der Berlinale 2000 mit dem „Silbernen Bären“ ausgezeichnet. Im Familienfilm „Mein Bruder ist ein Hund“ (2004) spielt sie eine fernsehsüchtige Großmutter, in „Germanikus“ (2004) sieht man sie neben Gerhard Polt und in „Der Mann von der Botschaft“ (2006) neben Burghart Klaußner. In „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ (2008) spielt sie mit Nina Hoss. Auch übernimmt Irm Hermann diverse Rollen in beliebten Krimi-Reihen wie „Tatort“, „Ein Starkes Team“, „Balko“ oder „Polizeiruf 110“ sowie in etlichen Fernsehfilmen. Zuletzt brilliert sie 2009 neben Horst Krause in „Krauses Kur“ als Oberschwester Ilse sowie in der Fortsetzung „Krauses Braut“ (2011). 2009 wird Irm Hermann mit dem „Deutschen Hörbuchpreis“ für ihre Sprechrolle Emmy Göring in „Enigma Emmy Göring“ als „Beste Interpretin“ ausgezeichnet.

Irm Hermann ist mit dem Kinderbuch-Autor Dietmar Roberg verheiratet und hat mit ihm zwei Söhne – Franz Tizian und Fridolin.

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