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Klaus Mann

Mit Büchern wie „Symphonie Pathétique“ und „Mephisto“ gehört er zu den angesehensten deutschen Romanciers des vergangenen Jahrhunderts – Klaus Mann kann sich zeitlebens nicht aus dem Schatten seines weltberühmten Vaters lösen, er leidet unter Depressionen und findet einen frühen Tod

Klaus Heinrich Thomas Mann wird als zweites Kind des Schriftstellers Thomas Mann und dessen Frau Katia am 18. November 1906 im Münchner Stadtteil Schwabing geboren und wächst in privilegierten, liberalen und großbürgerlichen Verhältnissen in München-Bogenhausen auf. In seinem Elternhaus verkehrt die Haute-Volèe der Münchner Gesellschaft des frühen zwanzigsten Jahrhunderts – darunter die Schriftsteller Bruno Frank, Hugo von Hofmannsthal, Jakob Wassermann, Gerhart Hauptmann, der Verleger Samuel Fischer und der Münchner Musikdirektor Bruno Walter. Dadurch kommt Klaus Mann früh mit klassischer Literatur und Musik in Berührung.

Seine berühmte Abstammung bezeichnet Klaus Mann einmal als „die bitterste Problematik seines Lebens“ – die Beziehung zu seinem distanzierten Vater ist ambivalent, zu seiner Mutter hat er ein herzliches Verhältnis. Er hat fünf Geschwister – Erika, mit der er sich zeitlebens eng verbunden fühlt, Golo, Monika, Michael und Elisabeth. Sein Onkel ist der Schriftsteller Heinrich Mann, seine Großmutter die Schauspielerin Hedwig Pringsheim und seine Urgroßmutter die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm.

Nach dem Besuch des Münchner Wilhelmsgymnasiums wechselt Klaus Mann aufs Internat Odenwaldschule im hessischen Ober-Hambach, das nach den Prinzipien der Reformpädagogik geführt wird. Als mittelmäßiger Schüler zeigt er nur beim Verfassen von Aufsätzen echte Begeisterung und empfindet die Schule als „stumpfsinnige und bedeutungslose Notwendigkeit“.

Bereits während der Schulzeit entwickelt Klaus Mann das Selbstverständnis eines Künstlers und emotionalen Außenseiters – als er sich 1932 in einen Mitschüler verliebt, verlässt er die Schule und kehrt ins Elternhaus zurück, wo er Privatunterricht zur Vorbereitung auf das Abitur erhält, den er jedoch 1924 abbricht.

Bereits als Kind möchte Klaus Mann Schauspieler werden, mit seiner Schwester stellt er ein kleines Theaterensemble zusammen – erst später manifestiert sich der Berufswunsch des Schriftstellers. 1924 hat er mit achtzehn Jahren – noch unter Pseudonym – in der Wochenzeitschrift „Die Weltbühne“ seine erste Veröffentlichung.

1924 verlobt sich Klaus Mann mit seiner Jugendfreundin Pamela Wedekind – der Tochter des Dramatikers Frank Wedekind – 1928 wird die Verlobung aufgelöst.

1925 wird Klaus Manns Theaterstück „Anja & Esther“ in den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt – das Stück provoziert in Deutschland einen Skandal, weil es lesbische Liebe thematisiert. Im selben Jahr veröffentlicht er den Novellenband „Vor dem Leben“ und den Roman „Der fromme Tanz“, der als einer der ersten Homosexuellen-Romane der deutschen Literatur gilt.

Während Klaus Manns Vater Thomas Mann seine eigenen homosexuellen Neigungen zeitlebens verdrängt und Homosexualität als „Fluch“ bezeichnet, wird die sexuelle Orientierung seines Sohnes im liberalen und großbürgerlichen Haus der Manns toleriert – so ist es üblich, dass Klaus Mann seine Partner ins Elternhaus mitbringt.

Klaus Mann führt – ermöglicht durch die finanzielle Unterstützung seines Vaters – ein rastloses Leben. Während der wirtschaftlichen und politischen Krise der zwanziger Jahre, in der die alten Werte keine Bedeutung mehr haben, fühlt er sich als Angehöriger einer „verlorenen Generation“. Er bewegt sich in der schwulen Subkultur europäischer Großstädte und reist nach England, Italien und Frankreich, wo er Bekanntschaft mit Jean Cocteau und André Gide macht, der sein intellektuelles und moralisches Vorbild wird.

Gegen Ende der zwanziger Jahre begibt sich Klaus Mann zusammen mit seiner Schwester Erika auf Weltreise – in den USA erhalten sie durch ihre internationalen Bekanntschaften und die Berühmtheit ihres Vaters Zutritt bei Prominenten wie Emil Jannings und Upton Sinclair. Ihren Unterhalt finanzieren sie durch Vorträge, weil aber die Erträge zu gering sind, begleicht Thomas Mann – dem 1929 der Literatur-Nobelpreis verliehen wird – die Schulden. Unter dem Titel „Rundherum. Das Abenteuer einer Weltreise“ veröffentlichen Klaus und Erika Mann einen humoristischen Bericht über die Reise.

1932 veröffentlicht Klaus Mann mit „Kind dieser Zeit“ seine erste Autobiografie, im selben Jahr erscheint der Roman „Treffpunkt im Unendlichen“, der Drogen, Suizid und Liebe thematisiert. Als die Nationalsozialisten in Deutschland immer stärker werden, avanciert Klaus Mann zu deren prominentesten Gegner – gemeinsam mit seiner Schwester Erika gründet er das Kabarett „Die Pfeffermühle“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begibt sich Klaus Mann 1933 ins Exil – seine Veröffentlichungen werden Opfer der von den Nazis initiierten Bücherverbrennungen.

In den folgenden Jahren lebt Klaus Mann in Paris, Prag, Zürich und Amsterdam, wo er die Exilzeitschrift „Die Sammlung“ herausgibt, die trotz Unterstützung von prominenten Schriftstellern wie Heinrich Mann, André Gide und Else Lasker-Schüler wegen mangelnder Nachfrage bald wieder eingestellt wird. 1934 wird Klaus Mann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, 1937 nimmt er die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft an.

Im Exil schreibt Klaus Mann seine bekanntesten Romane – 1934 erscheint „Flucht in den Norden“, 1935 „Symphonie Pathétique“ und 1939 „Der Vulkan“. Sein 1936 entstandener Roman „Mephisto“ – in welchem er die Verstrickung der Intellektuellen und Künstler mit dem NS-Regime beschreibt – löst einen Literaturskandal aus. Weil die Hauptfigur darin stark dem in Deutschland hoch angesehenen Schauspieler und Theaterregisseur Gustav Gründens ähnelt, erscheint das Buch erst 1956 zunächst in der DDR – in Westdeutschland bleibt die Veröffentlichung bis 1981 verboten. Heute gehört der Roman – der 1981 von István Szabó verfilmt wird – zur klassischen Schullektüre.

1938 nimmt Klaus Mann als Berichterstatter für die US-Army am Spanischen Bürgerkrieg teil, ab 1941 dient er in der US-Army, 1943 erhält er die amerikanische Staatsbürgerschaft und 1945 kommt er als US-Soldat über Italien das erste Mal wieder ins zerstörte Deutschland, wo er in München sein verwüstetes Elternhaus besichtigt. Als amerikanischer Korrespondent besucht er das Konzentrationslager Dachau, auch ist er während der Nürnberger Prozesse bei der Befragung Hermann Görings anwesend.

1942 schreibt Klaus Mann seine zweite Autobiografie „Der Wendepunkt“ – das Buch wird erst 1952 nach seinem Tod in deutscher Sprache veröffentlicht.

Seit seinem frühen Erwachsenenalter experimentiert Klaus Mann mit Drogen – zwei Entziehungskuren bleiben erfolglos.

Da Klaus Mann nach dem Krieg in Deutschland nicht mehr heimisch werden kann, lässt er sich gegen Ende der vierziger Jahre bei seinen Eltern im kalifornischen Pacific Palisades nieder. Unter Depressionen und Selbstzweifeln leidend und finanziell abhängig von seinem Vater unternimmt er 1948 einen ersten Selbstmordversuch. 1949 zieht er ins südfranzösische Cannes, um an seinem letzten, unvollendeten Roman „The Last Day“ zu arbeiten.

Am 21. Mai 1949 nimmt sich Klaus Mann im Alter von zweiundvierzig Jahren in Cannes mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. Er wird auf dem Cimetière du Grand Jas beigesetzt – als einziges Familienmitglied kommt sein Bruder Michael zur Beerdigung.

Klaus Mann hinterlässt ein umfangreiches Werk aus sieben Romanen, mehreren Erzählungen, politischen Essays, Reden, Kritiken, zwei Autobiografien und Tagebüchern, die erst in den achtziger Jahre in die Öffentlichkeit gelangen. Der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki nennt Klaus Mann einmal einen „dreifach Geschlagenen“: „Er war homosexuell, drogenabhängig und der Sohn Thomas Manns.“ Vielleicht ist es gerade dieser Facettenreichtum, der ihn auch heute noch interessant macht.

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