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Peter Gauweiler

Er ist ein bajuwarisches Original, stellt unbequeme Fragen und hebt sich als kantiger Querkopf vom sonst so glatten politischen Personal ab – Peter Gauweiler avanciert in den achtziger Jahren zur Hassfigur aller Homosexuellen und erntet erst im vorgerückten Alter Anerkennung quer durch die politische Parteienlandschaft

Peter Gauweiler kommt am 22. Juni 1949 in München als Sohn eines Anwalts zur Welt. Er besucht das humanistische Ludwigs-Gymnasium in München und studiert nach dem Abitur in München und Berlin Jura – 1978 promoviert er mit einer Dissertation über Funktions- und Rollenkonflikte eines Gemeinderatsmitglieds. Nach dem Referendariat gründet er in München zusammen mit dem CSU-Politiker Alfred Sauter die Kanzlei „Gauweiler & Sauter“, die sich auf Wirtschafts- und Verwaltungsrecht spezialisiert.

Aus Opposition gegen die damals in Studentenkreisen dominierenden linken Strömungen beginnt Peter Gauweiler sich gegen Ende der sechziger Jahre politisch zu engagieren – 1968 tritt er in die CSU ein und 1972 wird er bei der Kommunalwahl jüngster Stadtrat Münchens. In dieser Funktion – die er bis 1982 inne hat – setzt er unter anderem eine Ausweitung des Münchener Sperrbezirks durch, womit die Prostitution in die Münchener Stadtrandbereiche verbannt wird.

Während der Aids-Epedemie in den achtziger Jahren erlangt Peter Gauweiler bundesweite Bekanntheit – er fordert die Krankheit in den Katalog des Bundesseuchengesetzes aufzunehmen, scheitert jedoch am Veto des Bundesrates. In jenen Jahren avanciert er zur Hassfigur der Homosexuellen und zum Gegenspieler von Gesundheitsministerin Rita Süssmuth, die einen moderaten Kurs fährt, Werbung für Kondome macht und sich für Aufklärung einsetzt. Weil in München Vorladungen zu HIV-Zwangstests, Razzien gegen Schwule und Zwangsoutings Infizierter an der Tagesordnung sind, verlassen zahlreiche Homosexuelle die sonst für ihre Toleranz bekannte bayerische Hauptstadt. Gegner werfen Peter Gauweiler damals vor, er unterdrücke mit seiner unnachgiebigen Vorgehensweise lediglich seine eigene Homosexualität.

1986 wird Peter Gauweiler Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium des Innern, von 1990 bis 2002 ist er bayerischer Landtagsabgeordneter, von 2002 bis 2005 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Kultur und Medien und seit 2006 Vorsitzender des Unterausschusses Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik des Auswärtigen Ausschusses. Peter Gauweiler zieht regelmäßig als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises München-Süd in den Bundestag ein.

Peter Gauweiler macht sich während seiner politischen Laufbahn durch zahlreiche öffentlichkeitswirksame Aktionen als Hardliner einen Namen – unter anderem spendiert er Weißwürste für die Einsatzkräfte während der Auseinandersetzungen zwischen Atomkraftgegnern und Polizisten an der Baustelle der Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf. 1997 startet er eine Kampagne gegen die umstrittene Wehrmachtsausstellung in München – während der Ausstellungseröffnung legt er am Grabmal für den unbekannten Soldaten mit mehreren Parteikollegen demonstrativ einen Kranz nieder.

Während der Krim-Krise 2014 verweist Peter Gauweiler auf die „richtungsbestimmende Klugheit“ von Franz Josef Strauß und reist nach Moskau – „Es ist nötig, Brücken zu bauen und miteinander zu reden. Man müsse nicht alles akzeptieren, aber die Gegenseite verstehen. Russland gehört zu Europa, Sanktionen sind der falsche Weg“.

Nach vier­zig Jah­ren im Münchner Stadt­rat, im Bayerischen Land­tag und im Deutschen Bun­des­tag gibt Peter Gauweiler Anfang 2015 sein Bundestagmandat ab. Er legt alle Ämter nieder und zieht sich ins Privatleben zurück – als Grund gibt er die Griechenland-Politik der CSU an. Mit seinem Rücktritt geht eine Ära zu Ende – der schillernde und umstrittene Bayer gilt als letzter Intimus des ehemaligen Ministerpräsidenten Franz-Joseph Strauß, mit seiner gradlinigen und unbeirrbaren Art gehört er zu den wenigen Politikern, die für ihre Überzeugungen einstehen. Mit seinen zahlreichen Kla­gen und Beschwerden beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – unter anderem ge­gen den deutschen Afghanistan-Einsatz, die Euro-Rettungspolitik und den EU-Vertrag von Lissabon – findet er Anerkennung von allen im Bundestag vertretenen Parteien und erreicht mehr, als manch an­de­rer Bundestagsabgeordneter.

Im Laufe seiner politischen Karriere wird Peter Gauweiler mit diversen Auszeichnungen geehrt – unter anderem mit dem „Bayerischen Verdienstorden“, dem „Bundesverdienstkreuz am Bande“ und der Medaille „München leuchtet“ in Gold, er ist Träger des Titels „Ehrenfreund der Stadt Tel Aviv“, Ehrenbürger der Stadt Marktredwitz, Ehrenoffizier der „Gebirgsschützenkompanie Traunstein“, Ehrenmitglied des „Trachtenvereins München Isargau“ und Ehrenmitglied des „Trachtenvereins Großhadern“.

Peter Gauweiler ist verheiratet und Vater von vier Kindern. Er lebt in München.

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