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Curd Jürgens

Er ist ein deutscher Weltstar und in seinen vielen Rollen als Salonlöwe und Mann von Welt stets eine imposante Erscheinung – Curd Jürgens ist ein Meister der Selbstinszenierung und es gelingt ihm stets nachhaltig von sich reden zu machen, wo immer er auftaucht steht er im Mittelpunkt. Der blonde, blauäugige Draufgänger besitzt die seltene Gabe, sein Leben öffentlich zu machen und es dennoch in vollen Zügen zu genießen

Curd Jürgens wird als Gustav Andreas Gottlieb Franz Jürgens am 13. Dezember 1915 als Sohn eines begüterten Hamburger Exportkaufmannes und der französischen Lehrerin Mouissia Noir in München-Solln geboren. Er wächst in großbürgerlichen Verhältnissen im Berliner Westend auf. Nach seinem Schulabschluss arbeitet Curd Jürgens zunächst als Journalist, nebenbei nimmt er Schauspielunterricht. Mit siebzehn Jahren verunglückt er schwer mit seinem Motorrad – in Folge der Verletzungen verliert er die Fähigkeit, Kinder zu zeugen. Nachdem er sich 1944 mit einer Nazi-Größe anlegt, wird er noch 1944 zum Militär eingezogen. Nach dem Krieg ist er zunächst Intendant des Straubinger Stadttheaters, auch betätigt er sich nur mäßig erfolgreich als Regisseur und Drehbuchautor.

In Willi Forsts „Operette“ (1940) und in „Wiener Mädeln“ (1940) kann man Curd Jürgens das erste Mal im Kino sehen. Trotz dieses Erfolges kehrt er zunächst als Theaterschauspieler ans Berliner Theater am Kurfürstendamm zurück und erhält danach ein Engagement am Wiener Volkstheater. Ab 1941 spielt Curd Jürgens am Burgtheater Stücke wie „Romeo und Julia“ und „Genoveva“.

Mit dem Film „Des Teufels General“ (1954) gelingt Curd Jürgens dann der internationale Leinwand-Durchbruch. Bei der Biennale 1955 in Venedig wird er für die Darstellung des „General Harras“ mit dem Filmpreis „Goldener Löwe von San Marco“ bedacht.

Während der fünfziger Jahre ist Curd Jürgens ein viel beschäftigter und äußerst populärer Schauspieler. In „Meines Vaters Pferde“ (1953) mit Eva Bartok und Martin Benrath, in „Der letzte Walzer“ (1953), in „Das Bekenntnis der Ina Kahr“ (1954), in „Teufel in Seide“ (1955) an der Seite von Lilli Palmer, in „Der Schinderhannes“ mit Maria Schell, in „Katja, die ungekrönte Kaiserin“ (1959) neben Romy Schneider und „Die Ratten“ (1955) mit Maria Schell kann man ihn sehen.

Curd Jürgens Erfolgskurve hält auch in den sechziger Jahren an. Die „Dreigroschenoper“ neben Hildegard Knef, Gerd Fröbe und Lino Ventura ist ein aufwendiger Unterhaltungsfilm, der jedoch trotz gelungener Szenen weit hinter der Brechtschen Vorlage zurückbleibt. „Das Liebeskarussell“ (1965) gerät jedoch nicht zuletzt wegen der internationalen Starbesetzung zum Kassenschlager. Nadja Tiller, Ivan Desny, Catherine Deneuve, Anita Ekberg, Johanna von Koczian, Gert Fröbe, Heinz Rühmann und Peter Alexander sind neben Curd Jürgens zu sehen. „Gustav Adolfs Page“ (1960) mit Lilo Pulver, „Der Lügner und die Nonne“ (1967), „Der Arzt von St. Pauli“ (1968) und „Ohrfeigen“ (1969) mit Gila von Weitershausen sind weitere Produktionen der sechziger Jahre mit Curd Jürgens.

In den siebziger Jahren sind die Filme, in denen Curd Jürgens mitspielt, eher mittelmäßig. So kann man ihn in „The Mephisto Waltz“ (“ Der Mephisto-Waltzer“, 1971) sehen. Auch in damals recht beliebten Fernseh-Serien spielt der Star kleinere Rollen, wie in „Derrick“ oder im „Tatort“.

Curd Jürgens ist auch international ein viel gefragter Schauspieler. Roger Vadim besetzt ihn als väterlichen Freund von Brigitte Bardot in „Et Dieu…créa la femme“ („Und immer lockt das Weib“, 1956). In Produktionen wie „Lord Jim“ (1965) mit Peter O’Toole, in „Le Jardinier d’Argenteuil“ („Blüten, Gauner und die Nacht von Nizza“, 1966) mit Jean Gabin, in „Dalle Ardenne all’inferno“ (“ …und morgen fahrt ihr zur Hölle“, 1968) kann man ihn sehen. Als Highlight gilt seine Rolle des Bösewichts im James-Bond-Film „The Spy Who Loved Me“ („Der Spion, der mich liebte“, 1977) neben Roger Moore

Einige Male versucht sich Curd Jürgens als Regisseur, wie für „Ohne Dich wird es Nacht“, (1957) und „Bankraub an der Rue Latour“, (1961).

Curd Jürgens unterhält mehrere Wohnsitze, unter anderem am Wiener Franziskanerplatz, im südfranzösischen Saint-Paul de Vence, im schweizerischen Gstaad, auf den Bahamas und zuletzt in Ebreichsdorf bei Wien. Zusammen mit seiner Gastfreundschaft führt dies dazu, dass der Schauspieler keinen großen Reichtum anhäufen kann. Seine Partys sind in jener Zeit legendär. Aufsehen erregt er auch gern mit seinen Rolls-Royce-Limousinen.

Curd Jürgens nimmt 1945 die österreichische Staatsbürgerschaft an. Er ist fünfmal verheiratet und erreicht 2005 in einer „Liste der Männer mit dem meisten Sexappeal“ den zweiten Platz. Wo immer „der normannische Kleiderschrank“ – Brigitte Bardot nennt ihn einmal so – auftaucht, ist er der Mittelpunkt. Neben Romy Schneider ist Curd Jürgens der einzige deutsche Weltstar seiner Zeit – energiegeladen und strahlend lebt er für sein Publikum und führt seinen Reichtum und seine Affären ungeniert vor. Reihenweise schreiben die Zeitungen über sein turbulentes Leben und seine Eskapaden. „Egal was die Presse über mich schreibt, Hauptsache, sie schreiben meinen Namen richtig“ so der Schauspieler in einem Interview. Er ist ein Vollblutschauspieler, seine Rollen als Schurken, Rittmeister, Dandys und Frauenhelden geben stets prächtige Figuren ab, 1966 wird er mit der „Kainz-Medaille“ geehrt, 1981 mit dem „Bundesverdienstkreuz“ und mit dem „Filmband in Gold“ für sein langjähriges Wirken im deutschen Film. Curd Jürgens spielt in seiner Karriere mit den populärsten Kollegen seiner Zeit in mehr als hundertsechzig Filmen mit.

Curd Jürgens bleibt seinem opulenten Lebensstil bis fast zuletzt treu. Er stirbt an multiplen Organversagen am 18. Juni 1982 im Alter von fünfundsechzig Jahren in Wien. Er ist auf dem Wiener Zentralfriedhof in einem Ehrengrab der Stadt Wien beigesetzt.

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