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Henny Porten


Gemeinsam mit Asta Nielsen und Pola Negri ist sie eine der drei Galionsfiguren des deutschen Stummfilms, sie wird auch als erster deutscher Filmstar bezeichnet – Henny Porten stellt in den Anfangsjahren des Kinos starke Frauenfiguren dar, ihr Rollenrepertoire umfasst Familiensagas, Heimatfilme, Melodramen und Literaturverfilmungen

Henny Porten in ihrer Berliner Wohnung 1922, Foto: Waldemar Titzenthaler [Public domain], via Wikimedia Commons

Henny Frieda Ulricke Porten wird am 7. Januar 1890 in Magdeburg als zweite Tochter des Opernsängers Franz Porten und dessen Frau Wincenzia geboren. Kurz nach ihrer Geburt zieht die Familie ins Ruhrgebiet, wo ihr Vater in Dortmund die Leitung des Stadttheaters übernimmt und mit fünf Jahren zieht sie mit ihrer Familie nach Berlin, wo sie aufwächst und die Höhere Töchterschule in Moabit besucht. Schon in jungen Jahren hat Henny Porten erste Auftritte vor der Kamera – unter anderem in „Das Liebesglück der Blinden“.

Im ersten Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts avanciert Jenny Porten zur beliebtesten deutschen Darstellerin. 1912 heiratet Henny Porten den Schauspieler und Regisseur Curt A. Stark, der im Ersten Weltkrieg fällt.

1919 steht Henny Porten im sozialkritischen Film „Irrungen“ und im selben Jahr in Gerhart Hauptmanns Drama „Rose Bernd“ vor der Kamera. Die Schauspielerin arbeitet mit bekannten Regisseuren und Schauspielern wie Ernst Lubitsch und Emil Jannings zusammen. Es folgen mit „Monica Vogelsang“ (1919) und „Anna Boleyn“ (1920) mit Emil Jannings die bis dahin teuersten UFA-Großprojekte. Beide Filme sind besonders in den USA sehr erfolgreich und bald interessiert sich auch Hollywood für die Stars. Emil Jannings folgt der Einladung, Henny Porten gründet 1921 die Henny Porten-Film GmbH, um ihre eigenen Filme zu produzieren. Ihr Ehemann Wilhelm von Kaufmann-Asser – den sie 1921 in zweiter Ehe heiratet – übernimmt von nun an die Produktionsleitung ihrer Filme. 1921 folgt die „Geierwally“, „Hintertreppe“ und 1923 „I.N.R.“. Der Übergang zum Tonfilm – dem Henny Porten zunächst mit erheblicher Skepsis begegnet – gelingt ihr mühelos, 1930 gibt sie mit dem Film „Skandal um Eva“ ihr erfolgreiches Tonfilm-Debüt.

Nach ihrem wegen Pazifismus von rechten Kreisen angegriffenen und wegen des preußischen Militärgeistes von Linken befehdeten Film „Luise, Königin von Preußen“ (1932) gilt Henny Porten in der deutschen Filmbranche als Risiko und erhält keine Aufträge mehr, daraufhin wechselt sie ins Theaterfach. 1932 geht sie mit „Madame Sans-Gêne“ auf Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. 1933 spielt sie in Dresden und Berlin die Doppelrolle als „Eva oder Yvonne“. 1933 weigert sich Henny Porten, sich von ihrem jüdischen Mann zu trennen und wird daher von den Nationalsozialisten boykottiert und auf die „Schwarze Liste“ gesetzt. Sie erhält nur noch kleinere Rollen und spielt erst 1943 wieder einen grossen Part im Zweiteiler „Familie Buchholz“ und „Neigungsehe“.

Nach dem Ende des Krieges lebt Henny Porten zunächst in Ratzeburg, wo ihr Mann ein Behelfskrankenhaus für Flüchtlinge einrichtet. 1947 spielt sie in Lübeck und Hamburg Theater, 1949 gibt ihr die Hamburger Real-Film eine kleine Nebenrolle in „Absender unbekannt“, sonst macht ihr der westdeutsche Film keine akzeptablen Angebote mehr.

Zu Beginn der fünfziger Jahre entschließt sich Henny Porten, in die DDR zu gehen, wo sie für die DEFA Filme wie „Carola Lamberti“ (1954) und „Das Fräulein von Scuderie“ (1955) dreht. Ihr Schritt wird in der Westpresse vorwiegend als „Überlaufen“ verketzert. 1955 kehrt sie nach West-Berlin zurück und 1960 wird der verarmten und gesundheitlich angeschlagenen Henny Porten das „Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ verliehen.

Am 15. Oktober 1960 stirbt Henny Porten im Alter von siebzig Jahren. Ihr Ehrengrab liegt auf dem Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Friedhof in Berlin-Charlottenburg. Ihre Geburtsstadt Magdeburg benennt ihr zu Ehren eine Straße.