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Isabelle Huppert

Sie gilt als vielseitiges Talent mit enormen Facettenreichtum – aufregend zwischen Anmut und Kraft. Isabelle Huppert startet als pummelig-trotzige Nachwuchs-Actrice und avanciert mit Rollen leidender Frauen, die sie mit Intelligenz und kalter Sinnlichkeit beherrscht, zu einer der populärsten und erfolgreichsten Darstellerinnen des europäischen Kinos

Als Tochter des Ingenieurs Raymond Huppert und der Lehrerin Annick Huppert kommt Isabelle Anna Huppert am 16. März 1953 in Paris zur Welt. Sie hat drei Schwestern, Caroline, Jacqueline und Elisabeth und einen Bruder – Rémi. Sie besucht die Schule in St. Cloud und danach die Universität in Clichy, wo sie Russisch und orientalische Sprachen belegt. Ihre Schauspielerlaufbahn beginnt sie im Alter von vierzehn Jahren. Sie arbeitet an der Buttess Chaumont als Statistin, besucht die Schauspielschule im Centre de la Rue Blanche und ab 1972 das Konservatorium von Versailles.

Schon bald arbeitet Isabelle Huppert unter Regisseuren wie Antoine Vitez und Robert Hossein. In Bertrand Taverniers „Der Richter und der Mörder“ gewinnt sie als Freundin des Mörders 1976 den „Prix Suzanne Bianchetti“ als Entdeckung des Jahres und ist fortan eine Größe im Autorenfilm Frankreichs. Ein Ausflug in die USA endet mit einem kommerziellen Desaster – der Western „Heaven’s Gate“, heute ein Kultfilm, bringt die Produktionsfirma MGM an den Rand des Ruins.

In vielen Filmen verkörpert Isabelle Huppert das ausgemachte Opfer widriger Umstände. In Yves Boissets „Dupont Lajoie“ (1975) spielt sie ein kleines Mädchen, das vergewaltigt und ermordet wird, in Claude Gorettas „Spitzenklöpplerin“ wird sie als Handarbeiterin vom sozial besser gestellten Freund verlassen, und unter Claude Chabrol – für den sie siebenmal vor der Kamera steht – ist sie als „Violette Noziere“ (1977) Opfer unerträglicher häuslicher Verhältnisse und der Lebenslust der dreißiger Jahre. Sie spielt eine Engelmacherin im besetzten Vichy-Frankreich in „Eine Frauensache“, die „Madame Bovary“ in der Flaubert-Verfilmung, eine Mörderin in „Biester“ neben Sandrine Bonnaire und Jacqueline Bisset und die Hüterin eines Schweizer Kakao-Imperiums in „Süßes Gift“. Aus der Hand ihres Lieblingsregisseurs Claude Chabrol nimmt sie 2003 in San Sebastian den Preis für ihr Lebenswerk entgegen. Mit dem deutschen Regisseur Werner Schroeter erlebt Isabelle Huppert Triumph und Niederlage. 1991 wird sie für ihre Rolle der „Malina“ nach Ingeborg Bachmann mit dem „Bundesfilmpreis“ als „Beste Darstellerin“ ausgezeichnet – 2002 wird sie in Cannes für ihre Doppelrolle in Schroeters „Deux“ erbarmungslos ausgepfiffen.

Einen großen Erfolg bei Kritikern und Publikum feiert sie mit der Krimikomödie „8 Femmes“ („Acht Frauen“, 2001), in der sie neben Danielle Darrieux, Catherine Deneuve, Fanny Ardant und Emmanuelle Béart als altjüngferliche Tante kaum wieder zuerkennen ist und auch einen Gesangspart übernimmt. In der anarchistischen Satire „I Heart Huckabees“ hat Isabelle Huppert 2005 neben Dustin Hoffman und Lily Tomlin einen im Vergleich zu ihren bisherigen Rollen gänzlich ungewöhnlichen Auftritt als französische Nihilistin.

Für den begehrten „César“ wird Isabelle Huppert 2006 als Ehefrau in „Gabrielle – Liebe meines Lebens“ nur nominiert, gewinnt stattdessen aber den „Lumiere Award“. Sehr unterhaltsam tritt sie in „Zwei ungleiche Schwestern“ als genervte Pariser Ehefrau gegen Catherine Frot an. Isabelle Hupperts erneute Zusammenarbeit mit Claude Chabrol erfüllt sich in „Geheime Staatsaffären“, wo sie sich als unerbittliche Ermittlungsrichterin in Schmiergeldaffären verfängt. Viel Beifall erntet sie 2006 in „Nue Propriété“ von Regisseur Joachim Lafosse für die Rolle der Pascale, die sich zwischen ihrem Freund und den Zwillingssöhnen hin- und hergerissen fühlt. Mehrfach spielt sie auch unter der Regie von Michael Hannecke, wofür sie für die Rolle der Erika Kohut in „Die Klavierspielerin“ nach Elfriede Jelinek bei den Filmfestspielen in Cannes als beste Schauspielerin ausgezeichnet wird. Zuletzt spielt Isabelle Huppert in der Beziehungskomödie „Copacabana“ (2012) und neben Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant in Michael Hanekes Drama „Liebe“ („Amour“, 2012).

Isabelle Huppert tritt in zahlreichen Kostümfilmen auf, arbeitet fürs Fernsehen und ist eine gefeierte Theaterschauspielerin, die 2002 in Avignon für ihre „Medea“ bejubelt wird. 1999 wird sie in Paris mit den Insignien der Ehrenlegion ausgezeichnet und in den Ritterstand erhoben. Das Filmfestival in Montreal zeichnet die Schauspielerin 2008 für ihr Lebenswerk aus. 2009 übernimmt Isabelle Huppert bei den 62. Filmfestspielen von Cannes zum zweiten Mal das Amt der Jurypräsidentin.

Isabelle Huppert ist seit 1982 mit Ronald Chammah verheiratet und hat drei Kinder.

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